girls* just wanna have ...

In den letzten Monaten hat die #metoo Debatte viel Staub aufgewirbelt. Soziale Medien eröffneten ein Sprachrohr für Thematiken von Missbrauch, Unterdrückung und Sexismus in der Arbeitswelt und darüber hinaus. Eine Debatte, die nicht nur die Sachverhalte an sich beleuchtete, sondern vor allem auch den Umgang mit derartigen Themen sehr deutlich machte – die Medienverarbeitung, die Gesprächskultur und die Unmöglichkeit eines fairen Umgangs mit diesen Thematiken: Sexistisches und misogynes Gedankengut auf dem Präsentierteller und gleichsam eine Aufschrei, eine Welle der Solidarität und viele starke Stimmen, die Standpunkte festsetzten und Schutzräume für eine Debatte zu kreieren versuchen.

Derartige Themen finden auch in der Theaterwelt nur selten Gehör – insbesondere in den männlich dominierten Institutionen, aber auch in der freien Szene bleibt man doch einem gewissen Sexismus in den Strukturen aber auch in den Thematiken verhaftet. Selbst in den Behandlungen solcher Themen, sind es oft veraltete Herangehensweisen und „männliche“ Perspektiven, die die Theaterlandschaft dominieren. Doch immer wieder gibt es starke Performer*innen, die sich großen Themen widmen, die sonst nur selten Raum finden und die dabei eine so starke künstlerische Handschrift und Herangehensweise entwickeln, dass es sich nicht eine therapeutische Arbeit, sondern um eine beeindruckende künstlerische Auseinandersetzung handelt.

Derartige Arbeiten versammelt der Westflügel in den ersten Monaten des Jahres 2019. Unter dem Titel „Girls* just wanna have…“ werden Arbeiten gezeigt, in denen sich weibliche* Akteur*innen komplexen Themen widmen – es geht um sexuellen Missbrauch, um Todgeburt, um Erfolgsdruck, um Körperbilder, um Schöpfung, um Erinnerung, Tod und vieles mehr. Die ästhetischen Zugriffe reichen von Stricken und Sportdrill, über klassisches Figurenspiel zu Automaten, Maschinen und Kill Bill Imitationen. Damit bietet der Schwerpunkt einen Einblick in sehr unterschiedliche künstlerische Arbeitsweisen des heutigen Figuren- und visuellen Theaters.

Der Schwerpunkt versucht einen Raum zu öffnen, für „weibliche“ Zugriffe, und befragt natürlich gleichsam, was dies überhaupt bedeutet, bedeuten kann und was passiert, wenn man sich dieser Zuschreibung bewusst entzieht. Es werden Inszenierungen und Anliegen gezeigt, die sich aus persönlichen und biographischen Themen speisen, und in besonderer Weise, die sich jenseits von gendertypischen Vorgehensweisen bewegen, auf die Bühne gebracht werden. Begleitet werden die Inszenierungen von Publikumsgesprächen.

Preisgekrönter Nachwuchs, fortgeschrittene Studierende und etablierte Künstler*innen präsentieren ihre Arbeiten und eröffnen vielseitige Perspektiven auf komplexe Themenfelder.