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Koproduktionen

Folgende Inszenierungen sind seit 2006 in Koproduktion mit dem Westflügel entstanden:

Spleen. Charles Baudelaire: Gedichte in Prosa

Die Coproduktion des Figurentheaters Wilde & Vogel mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart und dem Lindenfels Westflügel Leipzig ist 2006 im Westflügel entstanden. Basis der Inszenierung ist Charles Baudelaires Spätwerk, seine Gedichte in Prosa "Der Spleen von Paris". Dichte Miniaturen, oft zu wenigen Zeilen komprimierte Szenen oder scheinbar flüchtig hingeworfene Gedankengänge beschwören die Epoche des „Untergangs der romantischen Sonne“. In ihnen widerspiegeln sich Splitter gescheiterter Utopien angesichts politischer Restauration im vorvorigen Jahrhundert: ein erstaunlich zeitgemäßes Panoptikum. Die manchmal düster-bestialische, manchmal heiter-melancholische Atmosphäre des Baudelaireschen Kosmos spielt mit dem Menschen an der Schwelle zur Moderne: zwischen apathischer Lebensgier und erotisierter Todessehnsucht, zwischen Sehnsucht nach Unendlichkeit und brutaler Belanglosigkeit, im Tragischen meist lapidar, im Komischen immer subtil. Die offene Spielweise dieser Inszenierung - die der Spieler mit Figuren und Musikinstrumenten auf der Bühne, sowie mit dem Textmaterial, eingesprochen von Kindern und Jugendlichen - zielt auf eine kaleidoskopische Betrachtung des Zuschauers. Eine eigene Magie entsteht in der Imagination zwischen Akteuren, Material und Publikum, eine Folge von Bildern, die den Blick Baudelaires kontrapunktiert und sucht, ihn für eine Wahrnehmung von heute zu öffnen.

Regie: Hendrik Mannes / Spiel & Ausstattung: Michael Vogel / Live-Musik: Charlotte Wilde Preis für herausragende künstlerische Leistung beim Stuttgarter Theaterpreis 2007 / Grand Prix und Young Critics Award beim International Festival of Puppetry Art, Bielsko-Bia!a (PL) 2008

Lear

Die Coproduktion des Figurentheaters Wilde & Vogel mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart und dem Lindenfels Westflügel Leipzig ist 2007 im Westflügel entstanden. Shakespeares über die Jahrhunderte gealtertes Fossil König Lear kriecht aus seinem Loch und will, dass seine Geschichte erneut gespielt wird. Auslöser der Geschichte und Ursache für das Spiel ist die Katastrophe. Eine Katastrophe, die schon längst geschehen ist, die aber in Augenblicken, im Spiel, wieder gegenwärtig wird. Diese Inszenierung schreibt Beckett fort und sucht den Rückbezug zu Shakespeare auf. Der gesamte „König Lear“ wird durch ein Erinnerungsperspektiv betrachtet. Alle Personen, bis auf Lear und Narr, sind nur Abbild, Fragment, Staffage. Auch wenn der Narr und Cordelia nicht die gleichen Personen sind, so bringen sie doch einander hervor. Auch wenn Lear kein König mehr ist, Vater wird er immer bleiben. Frank Schneider spielt den Lear, Michael Vogel ist der Narr, der sich in Figuren und Material vervielfältigt und dem König auf der Heide die apokalyptischen Figuren seines Wahnwitzes vorhält.

Spiel: Frank Schneider, Michael Vogel / Musik: Johannes Frisch, Charlotte Wilde / Ausstattung: Michael Vogel / Regie: Hendrik Mannes / Regie-Mitarbeit: Antonia Christl

Mewa

von Anton Tschechow
Eine Coproduktion der Kompania Doomsday (Bialystok, PL) und Figurentheater Wilde & Vogel in Koproduktion mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater, die 2008 im Westflügel Premiere feierte. Wie in einem Karussel mit eingebauter Unwucht drehen sich Tschechows Figuren umeinander: einer liebt den anderen, aber irgendwer liebt niemanden. Sie gleichen den Weißfischen, die sie angeln: Zusammengepfercht auf einem russischen Landgut machen sie Kunst, Theater, Literatur, mit Leidenschaft aber ohne Genie. Generationskonflikte, der rebellische Schrei nach neuen Formen, Alterssentimentalitäten – all das sind Auswüchse des Stillstands. Das Karussell quietscht und eiert, aber es dreht sich immer weiter. Keine Romantik, keine seelenvolle Atmosphäre: Möwen sind Aasfresser.

Regie: Hendrik Mannes / Spiel: Marcin Bartnikowski, Marcin Bikowski, Pawel Chomczyk, Dagmara Sowa / Ausstattung: Michael Vogel / Musik: Charlotte Wilde / Regieassistenz: Heiko Klandt

FAUST spielen

Eine Coproduktion von Figurentheater Wilde&Vogel (Leipzig / Stuttgart) und Christoph Bochdansky (Wien) mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart und dem Lindenfels Westflügel Leipzig von 2008. Goethe. Faust. Fünfter Akt, offenes Feld. Die Sorge tritt auf, Faust in höchstem Alter in sein Ende zu führen. Auf der Schwelle zwischen Leben und Tod geraten die Erinnerungen an Forscherdrang und Teufelspakt, Lüsternheit und Liebespein, Höhenflug und Hexensabbat bald zum derben Schwank, bald zur Travestie, bald zum packenden Bildertheater. Weib, Wissenschaft und Welt: jeglicher Besitzanspruch wird in Faustens Tod ad absurdum geführt. Die glückliche Vision einer freien Zukunft auf errungenem Grund: eine geplatzte Tüte gefüllt mit Staub. Bleibt etwas nach dem Debakel? Und wir? Wissen wir noch, was eine Seele ist? Und welcher arme Teufel wird uns noch irgendetwas dafür geben, wenn sie uns selbst nichts mehr wert ist? Musikalisch herausgefordert und beleuchtet von Charlotte Wildes live bespielten Klang- Installationen, werden sich die Figurenspieler Christoph Bochdansky und Michael Vogel mit legendärem Kaspermut den alten Hut aufsetzen und bis über den Rand der Krempe gehen.

Regie: Christiane Zanger / Ausstattung und Spiel: Christoph Bochdansky, Michael Vogel / Live-Musik: Charlotte Wilde

KRABAT

Eine Koproduktion von Figurentheater Wilde & Vogel (Leipzig/Stuttgart) zusammen mit Groupa Coincidentia  (Białystok, PL),  und Florian Feisel (Berlin) mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart und dem Lindenfels Westflügel Leipzig. Ein Theaterabenteuer mit Puppen, Masken und Musik für junge Menschen ab 12 und Erwachsene nach dem Roman von Ottfried Preußler. "Krabat, komm in die Mühle im Koselbruch!“ Eine dahergelaufene Kriegswaise findet Unterschlupf bei elf Müllerburschen und ihrem Meister. Strenge Regeln, finstere Gebräuche, schwarze Magie: alles recht, wenn nur die Breischale voll und das Bett im Trocknen ist. Nah, näher als nah kommt Krabat dem Schwarzen Meister. Und nicht weil er ein Held ist, sondern weil er – ungehorsam - einen Freund und ein ihn liebendes Mädchen gewinnen kann, gelingt es, die Schwarze Macht zu brechen. Krabat trifft ins Herz: Schlaglichtartig, mit Bildgewalt, Spielwitz und einem Minimum an Worten erzählt das Stück von harten Zeiten, menschlichen Abgründe und einer starken ersten Liebe. Finster, frech und fabelhaft leicht: Eine Achterbahnfahrt der Gefühle durch große musikalische Landschaften.

Regie und Textfassung: Christiane Zanger / Spiel: Paweł Chomczyk, Florian Feisel, Dagmara Sowa, Michael Vogel / Bühne und Puppen: Michael Vogel / Live-Musik: Charlotte Wilde

Die Wölfe

Drei Menschen, deren gemeinsames Interesse der Wolf ist, begeben sich auf eine Forschungsreise in die dunklen Mondnächte der menschlichen Existenz und suchen nach Antworten auf die Frage, wieviel Wolf im Menschen steckt und was die Menschheit seit tausenden von Jahren an diesem Tier fasziniert. 
Motive aus Märchen, Sagen und Mythologie vermischen sich mit der Suche nach dem Wolf, der Sonne und Mond verschlingen wird, um am Ende vielleicht doch nur mit Wackersteinen im Bauch zu ersaufen.

Nach "Der Gruftwächter", eine Kafka-Bearbeitung, die bereits im Februar 2010 zu Gast im Westflügel war, ist "Wölfe" die zweite Produktion der Gruppe K. Sie findet im Rahmen unserer Reihe „Expeditionen" statt, mit der wir in unserem Spielplan in loser Folge spannende Arbeiten junger Spieler präsentieren. Wir laden Sie zu Neuentdeckungen im Figurentheater ein - diesmal zu der Vorpremiere der Abschlussarbeit von Maik Evers im Studiengang Figurentheater an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

Regie und Künstlerische Begleitung: Michael Vogel / Spiel und Ausstattung: Maik Evers, Katharina Muschiol, Stefan Wenzel

Songs for Alice

Eine Koproduktion von Figurentheater Wilde & Vogel (Stuttgart/ Leipzig) mit dem Lindenfels Westflügel und dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart.

Das eigenartige Weiße Kaninchen und die geheimnisvolle Grinsekatze, die fette Herzogin, der Eierkopf Humpty Dumpty und der sagenumwobene Jabberwock, der ausgestorbene Dodo oder die rauflustigen Zwillinge Tweedle Dee und Tweedle Dum - sie allesamt sind keine niedlichen Gestalten aus einer harmlosen Kindergeschichte, vielmehr wahnwitzige Vertreter einer skurrilen Logik der Absurdität und des untergründigen Begehrens. Der Mathematiker, Schriftsteller und Fotograf Lewis Carroll ersann sie zur Unterhaltung seiner kleinen Freundinnen und sammelte ihre Geschichte in den Bänden „Alice im Wunderland" und „Alice hinter den Spiegeln", die zum Klassiker der Weltliteratur wurden.

In Szenen und Liedern widmet sich „Songs for Alice" vornehmlich den Gedichten der beiden Bände. Figurenspieler und Musiker entführen in eine somnambule Zwischenwelt der Fantasie und plötzlichen Erkenntnis, die aufblitzen lässt, warum Carrolls Texte nicht nur große Kinderliteratur sind, sondern auch zu Vorbild und Inspirationsquelle für so unterschiedliche Künstler wie den Schriftsteller James Joyce, die Surrealisten wie André Breton, den Kognitionswissenschaftler Douglas R. Hofstadter oder die Komikertruppe Monty Python wurden. In der Inszenierung von Regisseur Hendrik Mannes vereint der auf dem Grat zwischen Konzert und Theater balancierende Abend inbrünstige Hits und geräuschhafte Explosionen, expressive Figuren und poetische Maschinen, leise Momente und großes Tamtam, Ohrwürmer und Rausschmeißer.

The White Knight: 'But here I must leave you. - You are sad, let me sing you a song to comfort you.'
Alice: 'Is it very long?'
The White Knight: 'It's long, but very, VERY beautiful. Everybody that hears me sing it - either it brings the TEARS into their eyes, or else.
Alice: 'Or else what?'
The White Knight: 'Or else it doesn't, you know.'

Regie: Hendrik Mannes / Spiel, Bühne und Figuren: Michael Vogel / Live-Musik: Johannes Frisch, Charlotte Wilde

Louder! / Glosniej!

Eine Koproduktion von Hotel Malabar (Warschau, PL) und Figurentheater Wilde & Vogel (Leipzig/Stuttgart) mit dem Lindenfels Westflügel.

Erzählt wird vom 9-jährigen Oskar Schell, der um seinen bei den Anschlägen auf das World Trade Center gestorbenen Vater trauert und von Oskars Groß- eltern aus Dresden, die sich nach dem 2. Weltkrieg in New York wieder begegnen.

Nicht politisch, sondern vollkommen subjektiv ist der Blick des Kindes auf die Ereignisse, die Geschichte machen. Seine Strategien, in dieser Welt mit ihren verwirrenden Eigenheiten und ihren großen Katastrophen zu bestehen, sind jedoch nicht anders, als die seiner vom Krieg traumatisierten Großeltern und seiner trauernden Mutter: alle kämpfen mit dem Unvermögen, sich mitzuteilen.

In einer szenischen Collage aus Bild, Figuren, Masken und Musik, bewegt und belebt von zwei Spielern, entsteht ein Stück Theater über Perspektiv- wechsel und Umdeutungen, über Kommunikation und Einsamkeit, über be- lebte Dinge und verlorene Seelen.

»Die Spieler erwecken in traumwandlerischem Wechsel Figuren und ihre Konstellationen mit ineinander fließenden Szenarien, Puppen und Masken, Ritualen zwischen Witz, Tragik und Absurdität. Nicht der erste deutsch-pol- nische Transfer des Hauses, nicht das erste Zusammenspiel der beiden Ensembles. Aber ein Höhepunkt!« (Leipziger Volkszeitung)

Regie: Michael Vogel / Spiel: Marcin Bartnikowski, Marcin Bikowski / Bühne und Figuren: Marcin Bikowski, Michael Vogel / Musik: Charlotte Wilde


Der Freischütz

Im Walde im Walde, da kommt mir die Jagd... Samira Lehmann und Stefan Wenzel spielen in diesem Rock-Opern-Kammerspiel um ihr Leben. Mit Objekten und Figuren, E-Gitarre, Keyboard und Hochzeitskleidern entführen die beiden in kleine Idyllen und große Alpträume. Inmitten von Jagdglamour und Trashmusik werden die wirklich wichtigen Dinge des Lebens verhandelt: Die Jagd und die Liebe. Frei nach Apels Volkssage und von Webers Oper geht es tief in den dunklen Wald, wo die erbarmungslose Wildnis lauert und nur die Erbförsterei ein Gefühl von Heimat bieten kann. Doch Vorsicht, so mancher Schuss wird ins Schwarze treffen. Nach erfolgreicher Premiere im Westflügel im Spätsommer 2012 machte sich diese Inszenierung auf den Weg durch die Wälder dieses Landes.

Bei Liebe und Jagd braucht es ein Gewehr für die Frau und ein Herz für Tiere. Im Jägerdorf am Jägerwald in der Jägerwelt wohnt Wilhelm und träumt davon Jäger zu werden, damit er Käthchen heiraten kann. Weil Jägerwerden aber nicht so einfach ist, wird der Teufel gefragt. Ob das gut geht?

Wenn alles gelingt, fließt Blut und Glitter. Und die Show wird tragische Glamrockoper. Es riecht nach Schwarzpulver und Bier. Die Lichter gehen aus und wieder an, die Taube fliegt, der letzte Schuss fällt. Vorhang. Musik.

Dieser Freischütz ist ein Meister des Erschießens. Und:
Was Teufels tolle Zauberkugeln kaputtmachen können, das soll auch zu Bruch gehen.
Denn wer stirbt, beißt ins Gras. Und wer nicht erschossen wird, spielt bis ihn der Teufel holt.

 


Also, die Flinte geschulter und ab in den Wald! Halali und Prost, die Jagd kann beginnen!

nach Apel, Burroughs, Kind, Weber

Lehmann & Wenzel _ Spiel, Musik, Ausstattung: Samira Lehmann und Stefan Wenzel _ Regie: Michael Vogel

 

 

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